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Stadtspaziergang „Reformation in Bewegung“ auf dem Smartphone

Schülerinnen und Schüler erarbeiten Audio-Guide-App durch die Innere Stadt

03. Feb 2017 
von Martina Schomaker

Ein Blick auf die Route des Stadtspaziergangs "Reformation in Bewegung"

Schülerinnen und Schüler haben im evangelischen Religionsunterricht die Geschichte der Evangelischen in Wien und ihre heutige Aktualität erforscht. Sie entwarfen einen Spaziergang durch die Wiener Innenstadt auf der GPS-unterstützten App „City Listening“ von Klaus Kubo. Ab dem 10. Februar 2017 – pünktlich zum Europäischen Reformationsball – ist der Spaziergang für jedes iPhone und Android-Smartphone abrufbar und kann Einzelpersonen und Gruppen begleiten, die die Wiener Reformationsgeschichte „in Bewegung“ erfahren wollen. Sechs Stationen auf drei Kilometern umfasst der Spaziergang: das Stubentor, den Stephansplatz, die Reformierte Stadtkirche in der Dorotheergasse, die Lutherische Stadtkirche nebenan, den Josefsplatz und das Landhaus in der Herrengasse.

Präsentiert wurde die App am Donnerstag, 2. Februar, an ihrem „Geburtsort“ – am MODUL (Tourismusschulen der Wirtschaftskammer Wien) im 19. Bezirk. Im dortigen evangelischen Religionsunterricht der Klasse 4HLA, unter Leitung von Pfarrer und Religionslehrer Matthias Eikenberg, liefen alle Fäden zusammen. „Ich freue mich, dass das Projekt am Modul umgesetzt wurde und wird“, begrüßte Direktor Werner Schnabl die Gäste. Das Projekt passe gut zur praxisnahen Bildung am Modul.

Dass die App erst über Umwege eine konkrete Idee wurde, berichtete Gisela Ebmer, Fachinspektorin für den evangelischen Religionsunterricht an Höheren Schulen. „Eigentlich war ein Wahlpflichtfach geplant, an dessen Ende Schülerinnen und Schüler Stadtführungen hätten geben sollten“, so Ebmer. Lehrerinnen und Lehrer wurden an der Kirchlich-Pädagogen Hochschule Wien, koordiniert von Sonja Danner, fortgebildet. Sie entwickelten einen Lehrplan, Werbeflyer wurden gedruckt – aber das Wahlpflichtfach, geplant an mehreren Schulen in Wien, kam nicht zustande. Das Fach schien zu exotisch für ein Wahlpflichtfach, in dem die Schüler meist ihren gewählten Zweig wie Informatik oder Sprachen vertieften. – Nicht so am Modul, glücklicherweise. Hier stieß die Stadtführungs-Idee, die Religionslehrer Eikenberg ins Modul trug, auf offene Ohren.

Doch mit nur einer Schülergruppe war der ursprüngliche Plan nicht realisierbar. Was tun? Philipp Reichel, als Historiker, Stadtführer und Schauspieler Berater des Projekts, hatte die rettende Idee: „Gestalten wir eine Stadtführung als App“. Das war im April 2016. Im September 2016, mit Beginn des Schuljahres, startete dann das App-Projekt im evangelischen Religionsunterricht der Klasse 4HLA. Die zehn evangelischen Schülerinnen und Schüler übernahmen die Verantwortung, managten das Projekt, behielten den Überblick über das Material für den sechs Stationen umfassenden Stadtrundgang und bearbeiteten es. Unterstützt wurden sie von mehreren Seiten: Ihre Klassenkameraden, zwölf Schülerinnen und Schüler, erarbeiteten im katholischen Religionsunterricht mit Lehrerin Andrea Kahl die Station „Niederösterreichisches Landhaus“.

Die Informationen und Entwürfe für Sprechtexte der anderen Stationen wurden aus dem Netzwerk des ursprünglichen Projekts zugearbeitet – jeweils im evangelischen Religionsunterricht:

  • Pfarrerin und Religionslehrerin Daniela Schwimbersky erforschte mit Schülerinnen und Schülern der 7. Klasse im GRG 16 Maroltingergasse die Station „Stubentor“
  • Pfarrerin und Religionslehrerin Andrea Petritsch erforschte mit Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums Maria Regina im 19. Bezirk die Station „Stephansplatz“
  • Pfarrer und Religionslehrer Harald Kluge erforschte mit Schülerinnen und Schülern der 6. Klasse im Bundesgymnasium Wien 19 die Station „Reformierte Stadtkirche“
  • Religionslehrer Walter Pobaschnig erforschte mit Schülerinnen und Schülern der 7. Klasse im Bundesgymnasium Wien 19 die Station „Lutherische Stadtkirche“
  • Religionslehrerin Katja Eichler erforschte mit Schülerinnen und Schülern der Klassen 6a und 6b im GRG 15 Auf der Schmelz die Station „Josefsplatz“

 

Matthias Eikenberg bedankte sich bei allen für die gute Vorarbeit. „Durch die haben wir es geschafft, dass wir heute die App präsentieren können. Wir standen von Anfang an unter Zeitdruck – denn zum Europäischen Reformationsball am 10. Februar wollten wir und sind wir fertig geworden mit der ersten Version.“ Im Sommerhalbjahr solle noch an Details gefeilt werden und eine zweite Version bereitgestellt werden.

„Zeitweise konnten wir das Wort ‚App‘ nicht mehr hören“, gab Rosa Mühlbauer aus der 4 HLA des Moduls Einblicke in die Projektarbeit. Die Begehung des Stadtspaziergangs bei Minustemperaturen, eisigem Wind und Schneeregen sowie andere Hürden waren kein Zuckerschlecken gewesen. Doch: „Wir sind froh, dass wir das Projekt machen. Denn wer kann schon sagen, dass er eine App mitgestaltet hat?!“

Wie die App genau aussieht, präsentierte App-Entwickler Klaus Kubo: Interessierte laden sich auf ihrem Smartphone im AppStore (iPhone) oder bei GooglePlay (Android-Handys) die „City Listening“-App herunter und wählen den Evangelischen Stadtrundgang „Reformation in Bewegung“ aus. Durch die Smartphone -Funktion „Standort“ erkennt die App, wo die Spaziergänger sich befinden. Die Wien-Entdecker wiederum sehen auf einer Karte, wo sich die einzelnen Stationen befinden. Sie gehen zu einer Station, dort aktiviert sich die Audio-Guide-App von allein und gibt die von den Schülerinnen und Schülern aufgesprochenen Informationen preis. Dabei können die Wien-Entdecker sich solange an den Stationen Zeit nehmen wie sie wollen. So bietet der Stadtrundgang „Reformation in Bewegung“ eine moderne, individuelle Möglichkeit, die evangelische Seite der Wiener Innenstadt zu entdecken.

Warum der Titel „Reformation in Bewegung“ so gut passe, erklärte Fachinspektorin Ebmer: „Die Reformation hat viel in Bewegung gebracht, viel ist heute noch in Bewegung. Und die Leute, die die App nutzen, müssen sich in Bewegung setzen – physisch und gewiss auch gedanklich.“

Begeistert vom Projekt, von der ökumenischen Umsetzung und vom Ergebnis sind nicht nur die evangelische Fachinspektorin Gisela Ebmer, ihr katholischer Kollege Manfred Göllner und Direktor Schnabl, auch der reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld und der lutherische Superintendent Hansjörg Lein sind beeindruck. „Das hätte ich vor 43 Jahre gebrauchen können, als ich nach Wien zum Studium kam“, so Superintendent Lein. Er dankte den Schülerinnen und Schülern mit einem Überraschungs-Häferl für ihr Engagement. Den Religionslehrern Eikenberg und Kahl sowie Philipp Reichel und Klaus Kubo überreicht er ein Buch-Geschenk.

 

Weitere Informationen:
www.evang-wien.at/app
www.city-listening.com (link is external)

Text und Fotos: Martina Schomaker

Impressionen von der Präsentation am 2.2.2017 im MODUL